Gerd Meuer mit Nobelpreisträger Wole Soyinka
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Gnocchi for da bodyguard

     Irgendwann in den späten Achtzigern hole ich Wole auf dem kleinen Nürnberger Flughafen ab, um ihn nach Bayreuth zu bringen. Dieses Mal wird er von einem jungen over-dressed Yoruba gentleman begleitet, den ich früher noch nie gesehen hatte. Der Mann hat auf allzu intensive Art und Weise stets ein waches Augen auf ‚the man’ und die Umgebung. Schließlich frage ich Wole, wer denn dieser Mensch sei, und Wole antwortet mit einem verschmitzten Grinsen:
     “Wußtest du denn nicht, dass ich neuerdings nur noch mit bodyguards reise!”
     Wie bitte? Doch es war wahr: auch nach der Verleihung des Nobel-Preises hatte er wieder einmal deutliche Worte gegen die religiösen Eiferer in den USA aber auch zuhause in Nigeria gesagt, und die nahmen massiv krumm. Weshalb eine Gruppe junger Yoruba ‘professionals’ beschlossen hatte, eine private Schutztruppe für ‘the man’ zu gründen und ihn auf seinen Reisen zu begleiten – und dies ganz auf eigene Kosten!
    Doch wenn es dann nächtens in einem der exzellenten italienischen Restaurants zum ‘conto’  oder der ‚dolorosa’ kam, dann ging die stets happige Rechnung stets an ‚the man’. So auch in der Erlanger Trattoria mit ihrer langen Liste italienischer Spezialitäten, die der bodyguard intensiv studierte, bis er an ‘Gnocchi’ hängen blieb – Gnocchi what? Frug er Wole.
     Worauf Wole zuwartete, bis eine üppig gebaute blonde Bedienung vorbeigetippelt war und dann in seiner üblichen ‚sexistisch-männlich-chauvinistischen Art’ (Aussage einer Bewunderin des Autors!) mit beiden Händen gestikulierte, womit er die beeindruckenden Brüste der Dame wie ein Bildhauer formte: das waren also die Gnocchi...
      “You really must try them!”
     Und seither, wann immer wir die Speisekarte einer Trattoria studieren, explodieren wir beide, wenn wir auf das G-Wort stoßen.